Zurück zu Hause – ein Fazit

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Unglaublicherweise ist es bereits vier Wochen her, dass ich wieder in Frankfurt gelandet bin. Das Einleben hat nicht sonderlich lange gedauert und viele haben mich bereits am Weinfest und im Gutsausschank nach meinen Erlebnissen und einem kleinen Fazit gefragt. So wird es nun auch hier Zeit, endlich ein paar abschließende Worte zu finden – am besten in Form der am häufigsten gestellten Fragen!

 

Und? Wie war es?

Schön! Wäre hierauf die kürzeste Antwort. Etwas länger ließe sich noch sagen, dass ich froh bin, die Erfahrung eines Auslandssemesters gemacht zu haben. Nur durch einen längeren Aufenthalt bekommt man die Möglichkeit, ein Land und seine Leute etwas genauer kennenzuerlernen. Soziale Spannungen, unter- und oberschwellige Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen aber natürlich auch einfach weniger touristenüberlaufene und dafür umso schönere Ecken lassen sich erst mit der Zeit verstehen und entdecken.

Was hat es dir für dein Studium gebracht?

Überhaupt einmal an einer größeren Universität zu studieren (man vergleiche die Hochschule Geisenheim mit 1600 Studierenden und eben 30.000 in Stellenbosch) und dort ein anderes System kennenzulernen: Kleinere Klassen, mehr Leistungsnachweise während des Semesters, mehr wissenschaftliches Arbeiten bzw. Aufsätze schreiben. Trotzallem waren die Inhalte ähnlich, in manchen Bereichen eher tiefer gehend, in anderen einfach mit einem anderen Blickwinkel – nämlich dem der Südhalbkugel. Verdrehte Jahreszeiten, Winterregen und sehr trockene und strahlungsintensive Sommer. Anreicherungen (Zuckerzugabe vor der alkoholischen Gärung zur Erhöhung des Alkohols) wie sie bei uns gebraucht werden sind nicht nur völlig unnötig, sondern sogar verboten. Besonders interessant war die Unterrichtsreihe zum Thema „Trockenstress“. Seit drei Jahren haben sie dort eine anhaltende Dürre, dennoch sinkt weniger die Weinqualität als schlichtweg die Menge. Auch bei uns ist es in diesem Jahr sehr heiß – und schon sieht man die Relevanz von Themen, die vor ein paar Jahren vielleicht hierzulande noch belächelt worden wären.

Könntest du dir vorstellen dort zu leben?

Hier kann ich ein klares Nein antworten. Landschaftlich ist es ein wunderschönes Land, doch die sozialen Unterschiede führen dazu, dass überall Mauern zwischen den Häusern und Misstrauen zwischen den Menschen entstehen. Die Freiheit und die Sicherheit, in der wir hier leben können, wurde für mich erst begreifbar, nachdem ich monatelang nur mit eingeschalteter Alarmanlage geschlafen habe und Autos fuhr, deren Kofferraum nur vom Fußraum des Fahres aus zu öffnen ist. Viele nette Begegnungen werden überschattet vom Misstrauen, dass sich durch stetige Warnungen und Geschichten doch irgendwo im Hinterkopf festsetzt.

 

Um es kurz zusammenzufassen: Ich bin froh, ein wunderschönes Land gesehen, sehr gute Weine probiert und nette Menschen getroffen zu haben. Es waren erfahrungs- und lehrreiche Monate, sowohl in Bezug auf Weinbau als auch außerfachlich. So gerne wie ich fremde Länder bereise – so gerne komme ich nach der Reise wieder zurück nach Hause. In wenigen Wochen beginnt der Herbst und ich freue mich, dann wieder über diese spannende Zeit hier in Rheinhessen schreiben zu können. 🙂

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