Erst braai, dann babelaas?

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Kaum zu glauben: Ende des Monats habe ich bereits den ersten Teil meines Semesters hier in Südafrika geschafft! Denn dann geht es in die sogenannte „Recessweek“ – also eine Woche Urlaub! Dieser muss aber erst noch hart verdient werden, denn zuvor stehen noch einige Tests und Abgaben an. Meine Weinprojekte dagegen sind bereits in den letzten Zügen, die Gärung ist nahezu abgeschlossen. Auf dem Foto sieht man mich ganz stolz mit 10 Litern Chenin blanc. Die Trauben hat meine Gruppe bereits vor drei Wochen geerntet, die Stiele von den Trauben getrennt und über Nacht bei 4°C stehen lassen – eine sogenannte „Kaltmazeration mit Schalenkontakt“. Dabei werden phenolische und aromatische Verbindungen extrahiert, die den Geschmack des Weines beeinflussen. Eine andere Gruppe arbeitet ebenfalls mit Chenin-blanc-Trauben, sie haben diese aber nicht über Nacht stehen lassen, sondern direkt den Saft abgepresst. Unsere Gruppe hat das am nächsten Tag gemacht und noch einen Tag später mit Hefe beimpft. Zuerst bei 15°C, nach einer Woche bei 25°C, lief die Gärung ab. Durch die kühlen Temperaturen am Anfang soll die Bildung von fruchtigen Aromen gefördert werden. Und durch den Wechsel der Temperaturen verhindert man, dass die Gärung „stecken bleibt“: Bei wenig Wärme kann es passieren, dass die Hefen schlapp machen, bevor der gesamte Zucker zu Alkohol umgesetzt ist. In unserem Wein ist jetzt nur noch wenig Restzucker vorhanden, damit ist die Gärung bald abgeschlossen und wir kriegen einen trockenen Wein!

Was ich zusätzlich zur Uni so tue:

Letzte Woche habe ich einen freien Tag genutzt, um mir die zweite Möglichkeit einer Weinbau-Ausbildung hier anzuschauen. Sehr praktisch orientiert kann man in Elsenburg studieren: Die Schule bietet ein dreijähriges Studium mit Unterricht und praktischer Arbeit: der Keller wird hier zum Klassenraum! Im letzten Ausbildungsjahr sind die Studenten auch für eigene Weine zuständig, anders als in der Universität in Stellenbosch werden hier allerdings mehrere Tonnen Trauben gemeinsam verarbeitet. Ich konnte einen Tag in Weinberg und Keller mithelfen und so den Abschlussjahrgang und die Einrichtung kennenlernen und war wirklich begeistert. Die Ernte ging morgens um 4:30 Uhr los, um die Trauben bei möglichst geringen Temperaturen in den Keller zu holen. Im Dunkeln mit Stirnlampen haben wir drei Stunden lang Cinsaut (eine rote Traubensorte) geerntet – das hatte ich bis dahin auch noch nicht erlebt. Als es dann heller wurde, habe ich Bekanntschaft mit etwas größeren Insekten machen dürfen und war auch plötzlich ganz froh, diese im Dunkeln zuvor nicht gesehen zu haben. 😀 Auf diesem Bild sieht man einen etwas überdimensionierten, braunen Grashüpfer auf den roten Trauben sitzen, kurz zuvor saß eine haarige Spinne mit diesen Ausmaßen auf einer Traube. Angeblich ungefährlich, aber nun mal doch ungewohnt groß!

Die Arbeit im Keller brachte dagegen nur positive Überraschungen mit sich und ich bin sehr beeindruckt von der Schule und dem Konzept, das tiefgehende Theorie und spannende Praxis verbindet. Das Gruppenfoto ist um 22:00 Uhr beim letzten Unterstoßen der frisch reingeholten Shiraz-Maische entstanden – na, wer entdeckt mich? 😉

Und … Freizeit? Gibt’s auch!

In Stellenbosch haben wir die Weltmeisterschaft im Mountainbiken live mitverfolgt. Ich war überrascht, wie viele deutsche Mountainbiker es gibt! Gewonnen hat leider kein Deutscher, aber wir waren dann direkt am nächsten Tag selbst auf Rädern unterwegs. Es hat großen Spaß gemacht, auch wenn wir wohl nicht ganz an die Leistung der Weltmeister herangekommen sind! So, jetzt habt ihr alle brav den ganzen Artikel gelesen und ich habe noch gar nicht erklärt, was eigentlich in der Überschrift steht. Es sind zwei Afrikaans-Wörter; das erste beschreibt ganz gut die Kultur, denn das lieben die Einheimischen hier: „Braai“ heißt Grillen. Den ganzen Abend damit zu verbringen, gehört auf jeden Fall dazu. Babelaas dagegen ist ein sehr lustiges Wort und meint das Kopfweh am nächsten Morgen, wenn man vielleicht doch ein Weinchen zu viel verkostet hat. Was einem Weinbaustudenten natürlich niemals passiert! 😀

JasminErst braai, dann babelaas?

One Comment on ““Erst braai, dann babelaas?”

  1. Angela Reuther

    Liebe Jasmin,

    danke für den schönen Bericht und schön, dass es dir so gut geht !

    Grüße aus der Heimat…Angela

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